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Kommuniqués

Kommuniqué zur Gesprächsrunde 2001/2002
zwischen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg und der Neuapostolischen Kirche Baden-Württemberg
(ab 01.01.2002: Süddeutschland)

 1. Daten und Teilnehmer

Auf Wunsch der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland (bis 31.12.01: Neuapostolische Kirche Baden-Württemberg; NAK) fanden am 29. Juni, 10. September und 19. November 2001 drei Gespräche mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg (ACK) statt, denen sich am 1. Juli 2002 ein weiteres Abstimmungsgespräch anschloss.

Teilnehmer waren:

für die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg:
Pfarrer Dr. Jan Badewien, Evangelische Landeskirche Baden (nicht am 29.06.2001)
Prälat Domkapitular Hubert Bour, Diözese Rottenburg-Stuttgart
Pfarrer Dr. Johannes Ehmann, ACK-Geschäftsführer, Leiter der Gesprächsrunden
Dr. habil. Hansjörg Hemminger, Ev. Landeskirche Württemberg (nur bis 19.11.2001)
Dr. Dorothee Kaes, Diözese Rottenburg-Stuttgart
Pfarrerin Annette Kick, Evangelische Landeskirche Württemberg (ab 19.11.2001)
Pastor Armin Besserer D.Min., Evangelisch-methodistische Kirche, ACK-Vorsitzender (nur am 19.11.2001 und 1.7.2002)

für die Neuapostolische Kirche:
Apostel Volker Kühnle, Neuapostolische Kirche Süddeutschland
Bischof Herbert Bansbach, Neuapostolische Kirche Süddeutschland
Bezirksältester Manfred Fröhlich, Neuapostolische Kirche Süddeutschland
Bezirksevangelist Peter Johanning, Neuapostolische Kirche International

Bezüglich des Verlaufs und der Ergebnisse der Gespräche wurde zunächst Vertraulichkeit vereinbart. Das vorliegende Kommuniqué spiegelt den Stand der Gesprächsergebnisse im Juli 2002 wider.

2. Grundsätzliche Vorbemerkungen

Die Gesprächsrunde 2001 zwischen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg und der Neuapostolischen Kirche diente in erster Linie dem gegenseitigen Kennenlernen. Es ging nicht um ein offizielles Gesuch um Beitritt der Neuapostolischen Kirche in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen.

Alle vier Gespräche fanden in großer Offenheit statt und waren von einer freundlichen Atmosphäre geprägt. Meinungsverschiedenheiten wurden offen benannt. Die theologische Auseinandersetzung konnte allerdings, auch aus zeitlichen Gründen, noch nicht vertieft geführt werden.

In diesem Zusammenhang wiesen die NAK-Vertreter des öfteren auf anstehende Bearbeitungen ihrer Lehraussagen hin. Die ACK-Vertreter anerkennen, dass es sich hierbei um einen längeren Prozess, nicht um ein Ausweichen der NAK-Vertreter, handelt.

Den Gesprächen hat die Vorgabe zweifellos gut getan, dass sie nicht als Aufnahmegespräche für eine ACK-Mitgliedschaft geführt wurden, sondern als informelle Gespräche mit offener Perspektive.

3. Verbindendes und Unterschiede im Kirchen- und Sakramentsverständnis

Tragfähig erscheint der Neuapostolischen Kirche in Bezug auf ökumenische Kontakte die so bezeichnete "versöhnte Verschiedenheit" in der konstruktiven Spannung von eindeutigem Identitätsprofil und Versöhnung. Zugleich war beiden Seiten bewusst, dass der Ökumenebegriff nicht überstrapaziert werden darf; die Suche nach "versöhnter Verschiedenheit" bedarf nach Meinung der ACK auch des (differenzierten) Fundamentalkonsenses, d.h. der grundsätzlichen gegenseitigen Anerkennung als Christen - insbesondere die Frage nach dem Wirken des Heiligen Geistes.

Die ACK versteht als Grundlage ihrer Zusammenarbeit die Heilige Schrift sowie die altkirchlichen Bekenntnisse, insbesondere das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (381; vgl. Präambel der ACK in Baden-Württemberg). Dieser Grundlage stimmt die NAK zu.

Die Gültigkeit der Taufe der Neuapostolischen Kirche wird von den ACK-Vertretern anerkannt mit dem Hinweis, dass in der Tauffrage innerhalb der ACK selbst unterschiedliche Traditionen anzutreffen sind. Hingegen wird von den ACK-Vertretern der bei der NAK gegebene Zusammenhang von Taufe und sakramentaler Versiegelung (Geistvermittlung), insbesondere auch die Versiegelung von Toten, als problematisch betrachtet.

Für die Neuapostolische Kirche ist die Taufe mit Wasser Teil der Wiedergeburt, sie bedarf zusätzlich der Taufe mit dem Heiligen Geist (Heilige Versiegelung). Die Sakramentenlehre der Neuapostolischen Kirche kennt somit neben dem Heiligen Abendmahl zwei weitere Sakramente, die zueinander gehören und doch unterschiedlichen Inhalts sind: die Heilige Taufe und die Heilige Versiegelung. Die in einer anderen Kirche im Namen des dreieinigen Gottes empfangene Taufe erkennt die Neuapostolische Kirche als gültiges Sakrament an, die in einer speziellen "Aufnahme-Handlung" vor der Gemeinde ausdrücklich bestätigt wird. Eine Wiedertaufe kennt die Neuapostolische Kirche nicht.

Unterschiede im Lehrverständnis bestehen ferner hinsichtlich der Eschatologie (der Lehre von den zukünftigen Dingen) sowie dem Kirchen- und Amtsverständnis der Neuapostolischen Kirche, insbesondere hinsichtlich der Bedeutung des Apostelamtes. Hierzu erscheinen den ACK-Vertretern weitere Klärungen notwendig.

4. Pastorale Fragen

Übereinstimmung besteht zwischen ACK und NAK dahingehend, dass pastorale Fragen in verantwortlicher, weitestgehend einvernehmlicher und gemeindenaher Weise geklärt werden sollen. Dies gilt insbesondere für konfessionsverschiedene Ehen, Zulassung von NAK-Mitgliedern zum Taufzeugen bzw. Patenamt sowie die Bereitstellung von gottesdienstlichen Räumen bei Todesfällen an die NAK.

Die Bitte der NAK um Überprüfung der so genannten „ACK-Klausel“ findet einerseits Verständnis, andererseits stehen jedoch kirchenrechtliche Fragen noch ungeklärt dagegen, die von den einzelnen ACK-Mitgliedskirchen als Anstellungsträger zu bedenken sind.

Noch klärungsbedürftig ist aus Sicht der ACK-Vertreter die Frage nach Ausprägung, Intensität und Zielrichtung der neuapostolischen Initiativen im Bereich der Diakonie.

5. Fortgang

Die ACK begrüßt das Bestreben der Neuapostolischen Kirche, sich zu öffnen.

Alle Gesprächsteilnehmer haben den Eindruck gewonnen, dass die Gespräche nützlich und gewinnbringend hinsichtlich eines gegenseitig besseren Kennenlernens waren.

Für Ende Juni 2003 ist ein Folgegespräch vereinbart, in dem die bisherigen Erfahrungen ausgewertet und das weitere Vorgehen festgelegt werden soll.

Stuttgart, den 15. Juli / 27. September 2002

Für die
Arbeitsgemeinschaft Christlicher
Kirchen in
Baden-Württemberg

(gezeichnet) Pastor Armin Besserer, D.Min.

Vorsitzender der ACK in Baden-Württ.

Für die
Neuapostolische Kirche Süddeutschland

(gezeichnet) Volker Kühnle