Gesprächsabend des Ökumenischen Arbeitskreises Rutesheim mit der Neuapostolischen Kirche
(10.11.2009) Am Dienstag, 10. November, fand in der Markuskirche in Rutesheim ein Gesprächsabend statt, an dem Vertreter der in der der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Baden-Württemberg zusammengeschlossenen Kirchen und der Neuapostolischen Kirche teilnahmen.
Aus den Fragen, ob die Neuapostolische Kirche auch auf die Schilder mit den Gottesdiensthinweisen am Ortseingang aufgenommen werden solle, hatte sich auf Anregung des Rutesheimer Bürgermeisters Dieter Hoffmann ein Gespräch der verschiedenen Geistlichen der ortsansässigen Kirchen ergeben. Hinzu kam ferner die Anfrage, ob die Mitglieder der neuapostolischen Gemeinde Rutesheim bei Feierstunden zum Totensonntag am Ort mitwirken können. Auf Initiative von Pastor Armin Besserer kam es nun zu dem weiteren Informationsabend. Mitglieder aus der ACK angehörenden Kirchengemeinden, deren Geistliche, Bürgermeister Dieter Hoffmann und der Erste Beigeordnete Martin Killiger sowie etliche Mitglieder der Neuapostolischen Kirche (im Weiteren „NAK“ genannt) in Rutesheim und Perouse, unter ihnen auch der zuständige Bezirksvorsteher, Bezirksältester Wolfgang Oehler, bildeten die interessierte Zuhörerschaft.
Nach freundlich eröffnenden Worten von Pastor Besserer und einem gemeinsam gesungenen Lob zu Gott referierte Apostel Volker Kühnle (Leiter der internationalen Projektgruppe Ökumene und Gesamtbeauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland) über die NAK. Er führte aus, die NAK sei eine Kirche, die den Menschen nahe sein und zum Leben mit dem Evangelium helfen wolle, an die Wiederkunft Jesu glaube, worauf die Gläubigen durch das Wirken der Apostel vorbereitet würden.
In einem kurzen Abriss zeigte er die historische Entwicklung auf: Aus den Anfängen der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts in England, Schottland und Deutschland, die in der Katholisch-apostolischen Kirche ihre Entfaltung fanden, kam es um 1863 nach Differenzen über die 12-Zahl im Apostelkreis zur Abspaltung in Deutschland, die später hin zur Neuapostolischen Kirche führte. Der Apostel ging dabei auch auf den damaligen großen soziologischen Wandel wie auch auf den Einfluss der reformierten Kreise Hollands ein, was dazu geführt habe, dass anstelle der ursprünglich reichhaltigen Liturgie Wort und Abendmahl verstärkt in den Mittelpunkt des gottesdienstlichen Geschehens gerückt seien. Und gerade dadurch hätten sich viele Menschen der „einfacheren Schichten“, die zudem des Lateins nicht mächtig gewesen seien und somit vielfach die Predigt in ihrer seitherigen Kirche nicht verstanden hätten, angezogen gefühlt. Die Folge war , so der Apostel, ein beachtliches Wachstum der neuen, jungen Gemeinschaft, die sich im Laufe der Zeit auf allen Kontinenten ausbreitete.
Vertiefend erläuterte der Apostel die drei Sakramente, die in der NAK gespendet werden, wobei er beim Sakrament der Heiligen Wassertaufe insbesondere auf die seit 2006 bestehende Taufanerkennung von allen „rite“ vollzogenen Taufen einging. Er erläuterte das Heilige Abendmahl, gefeiert als Gemeinschafts-, Gedächtnis-, Bekenntnis- und Verkündigungsmahl. Nach neuapostolischer Lehre tritt mit der Aussonderung der Hostie zu Brot und Wein Leib und Blut Jesu hinzu (Konsubstantiation). Im Sakrament der Heiligen Versiegelung erfolgt Übermittlung der Gabe des Heiligen Geistes durch Handauflegung eines Apostels und dadurch die Wiedergeburt aus Wasser und Geist. So Wiedergeborene seien berufen zur „Braut des Lammes“ (ein Bild aus der Bibel, siehe Offenbarung 21,9).Der Apostel ging vertiefter auch auf den Öffnungsprozess der NAK seit Mitte der 1980er-Jahre ein und berichtete über die Vielzahl von Gesprächen, die zwischenzeitlich geführt wurden, insbesondere auch von 2001 bis 2007 mit der ACK Baden-Württemberg. Er verwies dabei auf die Orientierungshilfe der ACK Baden-Württemberg vom April 2008, in der die Gesprächsergebnisse festgehalten sind.
Diese Gespräche würden seit dem Jahr 2008 auf ACK-Bundesebene fortgesetzt. Ziel dieser Gespräche sei die Gastmitgliedschaft der NAK in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Das Leitmotiv der ökumenischen Bewegung der „Versöhnten Verschiedenheit unter Wahrung der Identität der einzelnen Kirche“ habe dazu ebenso den Boden bereitet wie die Weiterentwicklung von Lehraussagen der NAK. Auf der Basis der Heiligen Schrift gebe es sehr viel Verbindendes, so werde z.B. die Wassertaufe als das gemeinsame Band aller Christen betrachtet. Die NAK betrachte die Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen als die Gesprächsplattform, auf der alle Christen auch ihre gemeinsame Verantwortung in einer immer säkularer geprägten Gesellschaft, in der das Christentum immer mehr auf dem Rückzug sei, wahrnehmen würden – und da wolle auch sie sich positiv einbringen.
Pfarrer Dr. Albrecht Haizmann, Geschäftsführer der ACK in Baden-Württemberg, berichtete, man habe jahrelang in Sorgfalt miteinander gesprochen. Er habe beobachtet, dass die NAK auf die ACK zugegangen sei und damit der Außenbeobachtung als „geschlossene Sekte“ etwas entgegengesetzt habe. Außerdem erkenne die NAK mittlerweile die Taufe anderer Kirchen an. Dies habe sie ohne Not und Druck von außen getan. Zusammen mit anderen Änderungen von Lehraussagen sei dies sehr anerkennenswert, und es werde spürbar, die NAK wolle sich öffnen und Partner sein. Zur ACK erläuterte er, dies sei eine Arbeitgemeinschaft aller Kirchen, also auch solcher, die dabei sein wollten und die dazu für Gespräche offen seien. Er stellte fest, Ökumene sei ein Prozess, der sehr viel Zeit brauche, und man möge stets bedenken, wie lange in der ACK bereits zwischen den Kirchen Gespräche geführt würden. Nun brauche es Zeit und die Voraussetzung, christlich miteinander umzugehen. Theologisch müsse noch manches geklärt werden. Das tue den Kirchen gut im Verhältnis zu sich selbst und untereinander.
Danach wurden Fragen aus der Zuhörerschaft beantwortet.
Pastor Besserer schloss den Abend mit dankbarem Rückblick auf Gelungenes, Wünschen für weiteres christliches Miteinander und lud abschließend alle Teilnehmern zum gemeinsamen Beten des Vaterunsers ein. (MS/VK)




